Posted by: flowmotion225 | March 11, 2008

Bye, bye, Mm’bye

Unglaublich wie schnell die Zeit vergeht, eben habe ich bereits mein Backpack gepacked und mache mich gleich auf den Weg zur Mumbai Central Station, wo der Mumbai-Jaipur-Express auf mich wartet! Dort werde ich dann mal wieder knapp 24 Stunden im Zug verbringen, bevor ich morgen im Wuestenstaat Rajasthan aussteige!

Die letzten Tage in Bollywood waren eher relaxed, abgesehen von den Hussel Bahnfahrten in die Stadt und den abenteuerlichen Fussmaerschen durch die Vorstadt. Zu den erwaehnenswerten Vorkommnissen gehoert sicher mein Kinobesuch im Eros Cinema - nein, es hat nichts mit St. Pauli Cinematheken zu tun - wo ich Jodhaa Akbar, ein kurzesweiliges, vierstuendiges History Drama ueber eine Koenigin sah, das themenhuepfend von Comedy zu Massaker und von Liebesgedudel ueber 200-Mann Tanzeinlagen zu persoenlicher Rache und Mord fuehrte. Alles in allem war das Stück Bollywood Geschichte sehr unterhaltsam und kurzweilig, trotz der Laenge.

Eine weitere erwaehnenswerte Sache ist wohl auch die Bahnfahrt von Bombay Downtown nach Ghatkopar am Sonntag Abend. 21:00 Uhr Ortszeit. Die Bahn nach der Station Dadar mehr als gerammelt voll. Ich stand mit meiner Tasche um die Schulten, Ruecken an der Wand in der Naehe des Trittbretts, beide Arme nach unten und konnte mich keinen Zentimeter bewegen, was sich wenige Minuten später als besonders schlecht darstellte. Etwa 40cm vor meinem Gesicht hatten zwei Maenner schließlich das Rumgedruecke und Geschiebe satt, geiferten sich erst ordentlich an um dann zur einzigst vernuenftigen Loesung der Situation zu finden: Sie vermöbelten sich mal so richtig schoen gegenseitig.

Grosses Getoese entfachte natuerlich, da alle versuchten sich vor den fliegenden Faeusten zu schuetzen und gleichzeitig nicht aus dem fahrenden Zug gedraengt zu werden. Ich beobachte stoisch das Geschehen, mittendrin statt nur dabei, und nach nur 4-5 Minuten in-fight gab der staerker Blutende nach. Weitere 2 Minuten spaeter lachten alle nur noch ueber die gemuetliche Zugfahrt und schubsten und draengelten just for the sake of it!

In diesem Sinne!

Liebe Gruesse, zum letzten mal aus Mumbai!

Posted by: flowmotion225 | March 8, 2008

Boomtown Bollywood!

Es ist nun ein wenig Zeit und noch mehr Interessantes seit meinem letzten Blogentry vergangen - oder besser - den Ganges herabgeflossen, u.a. gab es da einen emotionalen Abschied von der BIS und Father Abraham, eine zweitaegige Zugfahrt und 2 Tage in Mumbai (Bombay), die bereits jetzt tiefe Eindruecke und Spuren hinterlassen haben.

Die Zugfahrt ging verhaeltnismaessig angenehm vorüber. Ein paar nette Leute durfte ich kennenlernen, stundenlang aus dem Fenster schauen und schlafen.

Die Ankunft in Mumbai war dann etwas bedrueckender und duesterer, da ich morgens um vier Uhr in Thane, einem Vorstadtbahnhof, zwei Stunden auf Father Jacob warten musste,….duestere Gestalten, ueberall Muell, ein kleiner Junge laeuft ueber die Gleise, sammelt Muell auf und streitet mit Ratten um leere Plastikflaschen.

Mein Zuhause ist im Gemeindehaus der St. Georges Church in Ghatkopar, Vorstadt. Um uns herum dritte Welt pur! Stehende Gewaesser verursachen Gestank, den die tausend Rickshaws und LKW noch verstaerken. Kinder, alte Maenner und Frauen wuehlen in den Muellbergen, streunende Hunde und alle anderen nur denkbaren Tiere keuchen und fleuchen durch die kaputten, menschenübersähten Strassen. Jede Ueberquerung einer solchen dauert Minuten und es kommt nicht selten vor, dass man mitten im Verkehr steht und einfach nur betet, dass man heil daraus kommt!

Downtown Mumbai, das Kolonialerbe der Briten, hingegen ist ein sehr schoener, wenn auch unwirklicher Ort. Gepflastert mit prachtvollen Gebaeuden aus der Zeit der East India Company, rickshawfreier Verkehr, nette Menschen, viel zu sehen, viel zu erleben, aber alles auf einer auffallend europaeischen Basis! Nach den Wochen in Keralas Hinterland gibt mir Mumbai Downtown doch ein recht unerwartet europäisches Gefühl.

Gestern und heute habe ich bereits recht viel zu Fuss erkundet und war zudem heute auf der Elephanta, einer Insel vor Mumbai, auf der Hindus Tempel in mehrere Hoelen gebaut haben. Sehr schoener, entspannter Ort mit vielen Affen und Touristen! (was hier auch gern als wunderschoene Tautologie angesehen werden kann)

Im weiteren Verlauf des Tages war ich beim Gateway of India und beim Taj Palace, den Kolonialdenkmaelern schlechthin in diesem Moloch! Heute Abend steht noch ein Hindifilm in einem geilen Kino an und morgen und uebermorgen werde ich mir die Jami Masjid (Moschee) und die Bazaars ansehen, zu den Malabarhuegeln fahren und mich an den Chawpatty Beach legen!

Am Abend des 11/03 gehts dann wieder fuer 24 Stunden in den Zug und auf den Weg nach Jaipur in Rajasthan, im Nordwesten des Landes. Dann habe ich bereits die groesste Distanz (etwa 4000 km) hinter mich gebracht!

Liebe Gruesse an alle!

Fotos folgen, das Internetcafe hier ist zu schaebig, langsam und teuer!

Posted by: flowmotion225 | March 3, 2008

Jesus was Indian….and he’s got the groove, baby!

Wer dachte, dass die Power-Pop Prayers letzte Woche beim Hausgebet der Hoehepunkt meiner spirituellen Reise durch Kerala waren, der hat sich getaeuscht. Gestern abend legte ein weiteres Hausgebet happening noch einen oben drauf! Das Arrangement war ein aehnliches: Plastikstuehle, ein Jesu (gesprochen ‘Jeschu’) Gemaelde in Uebergroesse im Hintergrund, mehrere Priester, Nonnen, Glaeubige. Frauen in Sarees, Maenner, mit noch verhalten wippendem Oberlippenbart, in ihren ‘Muns’ (Wickelroecke). Dann betrat ein indischer Riese, ca. 1.80m gross, die Buehne. Unter seinem Arm ein Yamaha Keyboard, das Schlachtschiff unter den Synthi-Kampfmaschinen. Ihm folgte in kurzem Abstand……Jesu himself. Langes schwarzes Haar, Vollbart, ein gueldenes Gewand…braune Haut! Jeschu ist ein Inder! Und nicht nur das…er hat auch noch ein verzueckendes Stimmchen, was sich wenige Minuten spaeter rausstellte.

Die Anlage kurz justiert, die Yamaha eingestoepselt, alle Regler auf max, Soundcheck, mal kurz die Rueckkopplungen getestet und los ging die Celebratierung. Zu Beginn weniger dancig als der Popbarde letzte Woche, mehr mit Gefuehl und wummernder Lautstaerke, schmetterte unser Indian Jeschu die Kirchensongs in das noch nicht ganz vollzaehlige Publikum. Sein Haar wehte im Wind des Ventilators, sein Unterkiefer vibrierte voll Ausdruck und erzeugte die Tonverschmierungen, die man sonst meist nur vom Muezzin in der Moschee um die Ecke kennt.

Nach dem ersten Einstimmen der Gemeinde, zeigte der Saenger Gottes was er wirklich drauf hatte und motivierte sein Publikum zum Aufstehen und Mitklatschen. Mir bot sich ein vertrautes Bild: Frauen, klatschend in ihren Sarees und Maenner mit ihren Oberlippenbaerten…ihr wisst schon.

Ohne Verzoegerung verzerrtes sich mein Gesicht erneut zu einem krampfhaft unterdrueckten Laecheln. Als er dann auch noch die Glaeubigen aufforderte die Arme nach oben zu nehmen und im Takt hin und her zu wippen, fuehlte ich mich endgueltig wie in einem Film ueber indische Spiritualistik?…Spiritualismus? Spiritual Tourismus! und Jeschu war der Animateur im Jumeirah Beach Club von Kerala.

Nach anschliessenden Gebeten und Predigten zerstoerte leider ein fieses Gewitter die Partystimmung und auch wenn zuerst noch 5 Minuten bei stroemenden Regen weiter gebetet und gepredigt wurde - Spiritual Toursimus kennt kein schlechtes Wetter - so wurden die Party-Prayers schliesslich doch abgebrochen und die Entertainer, Priester und ich verzogen uns zum Festmahl ins Haus.

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Letzten Freitag war auch uebrigens der Annual Day der Brook International School! Ein riesen Happening, wenn auch ohne Jeschusingers. Etwa 1000 Gaeste waren dort, darunter der Chief Guest A. Shajahan, District Collector of Kollam, der MLA President und der PTA President,…und ich natuerlich. Auf der riesen Buehne durften die Ehrengaeste dann Platz nehmen und nach und nach ihre Reden halten. Auch ich gab meinen hochwertigen Beitrag zur Bildungssituation in Deutschland im Vergleich zu Indien zum Besten und war fuer das Publikum offensichtlich weitaus interessanter als die eigentlichen ehrvolleren Ehrengaeste.

Nach dem offiziellen Teil folgte das Programm der Schueler: Traditionelle Taenze in unglaublisch genialen Kostuemen, performed von Schuelern aus den Klassen 1 bis 8. Dazu auch moderne Tanzeinlagen zu aktuellen Tophits wie Jungleboy von Aqua oder Shalalalala von den Vengaboys und Theatereinlagen. Unter den Theatereinlagen befand sich gegen Ende des Programms auch ein Auszug aus Shakespeares Twelfth Night, das ich mit den Schuelern der 8. Klasse geprobt hatte. Es war ein grosser Erfolg und das bis dahin eher paralysierte Publikum tobte, verhaeltnismaessig.

Eltern von Schuelern kamen zu mir, sprachen mich an, andere Gaeste, Lehrer, Priester. Und die Schueler waren sehr traurig, dass es mein letzter Tag an der BIS sein sollte.

Abgesehen von den Irrfahrten auf dem Nachhauseweg - mitten in der Nacht, verfahren auf Feldwegen im Dschungel - war es eine rundum erfolgreiche Veranstaltung.

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Nach kurzer nacht ging es dann morgens um halb 6 schon wieder weiter: Zusammen mit Anu und Daisy fuhren wir in den Periyar National Park nach Thekkady um Elefanten, Voegel, Sambahirsche und, im Optimalfall, Leoparden und Tiger in freier Wildbahn zu sehen.

Leider waren wir etwas spaet dran fuer die erste Bootsfahrt ueber den See, da sich Daisy ca. alle 10 Minuten uebergeben musste,…so ne Art Autofahrseekrankheit. Als wir dann schliesslich um 11:00 Uhr auf dem Boot sassen, nur Anu und ich, war die Zeit der Tiere am Wasser leider schon vorueber und wir sahen weder Tiger noch Elefanten noch sonst etwas annähernd exotisches, hatten aber eine schoene Bootsfahrt. Ein paar exotische Voegel und drei Samahirsche konnten wir am Rand des Urwalds erspaehen. Das sollte aber auch alles bleiben. Zumindest hatten wir eine Menge Geld gespart, da Inder nur 40 Rupees und Auslaender 150 Rs zahlen, wir aber 4 Tickets fuer Inder gekauft hatten. Dazu sparten wir uns dreisterweise noch die 500 Rs fuer eine Kamera, die ich geschickterweise, wenn auch ahnungslos, in meiner Hose versteckt hatte. Dafuer sassen wir aber auch auf dem Inderboot und nicht auf dem Touriboot, was aber bedeutend lustiger war, da Anu das einzige Maedel und ich der einzeige Weisse auf dem Boot waren. Eine Gruppe von indischen Studenten machte sich einen Spass daraus, Fotos mit uns zu machen und die ganze Zeit Fragen zu stellten. So hatten wir trotz der Abwesenheit der Tiere eine Menge Unterhaltung.

Anschliessend kamen wir dann zurueck zu Abraham und Daisy, der es zum Glueck wieder besser ging. Eine Frau sprach uns an ob wir Lust auf einen Elefantenritt haetten und - natuerlich - hatten wir!

Ein paar Kilometer weiter wartete dann ein grosser, grauer Dickhaeuter auf uns. Bevor wir aber einstimmten den Ausritt zu machen, erkundigte ich mich ueber den Umgang mit dem Tier und liess mir die Unterkunft zeigen, da ich weiss, dass einige Touri-Elefantenbetreiber die Tiere grausam behandeln. Hier schien aber alles in Ordnung, genuegend Futter und auch sonst. Also, schnappten Anu und ich uns ein paar Bananen und fuetterten das Riesenvieh und, hastdunichtgesehen, kam um die Ecke auch noch ein kleiner Babyelefant.

Als wir dann zu viert auf dem grossen Dumbo sassen, ging die Reise los. Mitten durch einen Spice Garden, durch enge Passagen zwischen Kokospalmen, Banenenstauden und Kardamonpflanzen (Thekkady liegt in den Cardamon Hills) manoevrierte sich das Tier behende. Pfeffer, Kuemmel und noch mehr Kardamon machten den Ritt durch den dichten Urwald auch noch zu einem Erlebnis fuer die Nasen. Die - und vor allem meine Nase, da ich ganz hinten auf dem Elefanten sass - wurden dann auf eine weitere Bestandsprobe gestellt, als Dumbo seinen Gefuehlen freien Lauf liess und vom feinsten furzte und einen Haufen von geschaetzten 50kg auf dem Weg hinterliess. Mit einem mal war jeglicher Kardamongeruch vergangen. Exkrement, Gewürz - eins zu null.

Nach einer haben Stunde auf dem Elefanten machten wir uns auf den Weg zu einem Hotel, hatten ein vorzuegliches Mittagessen und fuhren wieder in Richtung Chengannur. Auf dem Weg stoppten wir noch an einer Pilgerkirche und machten einen kleinen Spaziergang durch die vielen Teeplantagen in den Bergen. Hier gibt es so viel Tee, man koennte wohl die komplette Welt mit Indiens Tee versorgen, zumal hier in Kerala nur ein kleiner Teil des gesamtindischen Anbaus ist, der Grossteil ist im Norden in Darjeeling und Assam. Jedenfalls war es landschaftlich sehr schoen und der Ausflug war mit Daisy und Anu auch wieder sehr unterhaltsam.

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Morgen, Dienstag, ist dann mein letzter Tag hier in Kerala und am Mittwoch geht es auf nach Mumbai, wo ich 4-5 Tage in einem Kloster bei Father Jacob unterkommen werde. Mein naechster Artikel wird dann also nach zweitaegiger Zugfahrt aus der Bollywood Stadt mit der groessten Filmindustrie der Welt kommen, nach einer langen Bombay Boogie Night, oder so!

Viele Gruesse an alle!

Flo

Posted by: flowmotion225 | February 26, 2008

…von Hausgebeten im 4/4 Takt und einem Ausflug nach Cochin

Zuerst einmal moechte ich vom letzten Hausgebet am Sonntag in Daisies Haus berichten. Im Gegensatz zu den anderen Hausgebeten, waren dieses Mal gleich fünf Priester und ein netter, junger Mann, bewaffnet mit einem KORG Keyboard dort. Dieses tolle Geraet hat er auch vom feinsten zu nutzen gewusst und ueber die, selbstverstaendlich weit, weit ueberdrehte, Soundanlage seine christlichen Melodien verbreitet. Gespielt hat er traditionelle Kirchenlieder, dezent unterlegt mit den fettesten, bouncenden Disco und Dance Beats, die das gute alte KORG zu bieten hatte.

Innerhalb von Hundertstel Sekunden musste ich, auf der Empore neben den Priestern sitzend, gegen ein aufkommendes Laecheln, ja ein herausbrechendes Lachen, ankaempfen. Ich hatte kaum eine Chance und begrinste mich ueber das Bild, das sich mir bot: Ein leicht uebergewichtiger indischer “Schlagerplaerrer” vom Kaliber Roberto Blanko 100 Jahre juenger, der vor ca. 80 Glaeubigen Christen traditionelle Kirchenlieder auf einem schmissigen Dancebeat zum Besten gibt. Ganz vorbei mit meinem Widerstand gegen das Laecheln war es dann als Herr Indo-Blanko auch noch sein Publikum aufforderte, im Beat zu klatschen und tatsächlich  die teils 80 jaehrigen Frauen ihre Sarees und die Maenner ihre Oberlippenbaerte ins Mitwippen brachten!

Soviel dazu!

Am Montag waren wir dann schon sehr frueh auf den Beinen, da wir Daisies Schwester, die Nonne aus Heppenheim, nach Cochin an den Flughafen fahren wollten. Diese Gelegenheit liessen wir natuerlich nicht aus und machten gleich einen Tagesausflug daraus - mein Gesicht war noch immer in Laecheln verzerrt!

Gesellschaft leisteten uns Daisy und ihre Tochter Christine (Anu), die zu Besuch aus Chennai da war.

Die Fahrt war vom feinsten und wer dachte, dass man bei Abrahams Fahrstil schon Todesaengste aussteht, der sollte nicht mal darueber nachdenken sich in Daisies Auto zu setzen, denn sie hat einen aehnlichen Fahrstil aber zusaetzlich noch einen Landrover unterm Hintern, der ihr die noetige Power und Eleganz auf Indiens Highways gibt!Ich weiss nicht ob ich oefter Todesangst oder Brechreiz verspuerte, jedenfalls waren alle Fahrzeuginsassen, ausser Daisy, ziemlich fertig bei Ankunft in Cochin.

Nach langem, schmerzlichem Abschied am Flughafen, fuhren wir direkt nach Cochin, das auf mehreren Inseln, direkt am Arabischen Meer gebaut wurde und starken hollaendischen und portugiesischen Einfluss im 16. Jhdt. mit den ersten europäischen Siedlern um Vasco da Gama hatte.

Zuerst ging es zu den Chinese Fisher Nets bei Willington Island, dann zu einer Pilgerkathedrale, dann in ein Hotel zum Lunch, da Anu extrem hungrig war und mich ueberredet hatte, ihr zu helfen Abraham und Daisy zum Essen zu ueberzeugen, obwohl diese noch keinen Hunger hatten.

Nach dem Essen ging es dann noch ein wenig durch die engen, uebervollen Strassen von Ernakulam und dann ins alte Fort Cochin, das von den Portugiesen als erste Siedlung hier gebaut wurde. Dort waren wir auch in der St. Francis Church, in der Entdecker Vasco da Gama begraben lag, bevor sein Leichnam zurueck nach Lissabon gebracht wurde.

Im Anschluss daran sind wir noch ein bissl durch Fort Cochin geschlendert, ich hab mir ein Buch fuer meine Reise gekauft (The God of Small Things, Arundhati Roy) und wir haben noch ein wenig das Treiben am Hafen bei den vielen Chinesischen Netzen beobachtet bevor wir dann ins Judenviertel fuhren, wo heute nur noch 4 juedische Familien leben. Ein kurzer Besuch in der Synagoge, ein Abstecher in einen der antiken Handicraft Laeden und schon sassen wir wieder im Auto auf dem Rueckweg. Dabei kam dann endlich, was schon lange ueberfaellig war…wir hatten einen Unfall! Zum Glueck nur einen nicht erwähnenswerten Fall, bei dem ein kleiner, flitzender Motorickshaw-Truck unseren Spiegel einwandfrei absaebelte! Aber wen wundert’s…das passiert wohl millionenfach taeglich in diesem Land!

Naja, Daisy und A. steiegn aus und diskutierten gestenreich mit dem - in unseren Augen schuldigen - Fahrer des anderes Fahrzeuges,….innerhalb von Sekunden versammelte sich ein Menschengewuehl, wild kreuz und quer quasselnd um unser Auto und Anu und ich amuesierten uns ueber die Streitereien um uns herum! Schliesslich war der Schaden nicht wirklich gross und die Schuldfrage unter den Umstaenden sowieso kaum klaerbar…von Versicherungen gar nicht die Rede!

Irgendwann ging es dann, natuerlich ergebnislos, weiter und wir fuhren auf den Highway…was folgt war klar…Angst und viel Gelaechter!

Auf dem Weg hielten wir dann ploetlich mitten auf dem “Highway” in den Backwaters bei einer kleinen Holzhuette an (Foto). Warum macht man das? Natuerlich um sein Abendessen zu kaufen! Was kann es da wohl in so einer Huette geben? Die Antwort befand sich lauthals quakend unten links in der Huette: Dort sassen froehlich schnatternd 6-7 Enten, von denen eine nur wenige Minuten spaeter ihr Leben tragisch verlieren sollte. Der freundliche Huettenbesitzer schnappte sich mit Gleichgueltigkeit ein kleines Entlein, nahm es um die Ecke in den “Examination Room” und brachte es um die selbe….Quack, quack, Stille!

Kurze Zeit spaeter wirbelten die Federn durch die Luft und das Feuer am Strassenrand wurde angezuendet und der Kochtopf in Position gebracht. Kurz im heissen Wasser gekocht wurden die letzten Federn gezupft und den Rest erspar ich mir hier an dieser Stelle, da es sehr viel mit einem grossen Messer und dumpfen, knochenbrechenden, blutspritzenden Geraeuschen zu tun hat!

Am Dienstag habe ich dann als Tribut an das arme suesse Entlein mit den Klassen 3a und b ein deutsches Lied gesungen…. Alle meine Entchen schwimmen auf dem See… schallerte es nur so in Gedenken durch das Schulgebaeude.

Zurueck in Chengannur, loeste Anu noch ihr Versprechen ein und half mir bei der Auswahl einiger CD’s die ich selbstverstaendlich kaufen musste. In meinem ‘Einkaufswagen’ landete schliesslich eine traditionelle Hindi Musik, dann ein klassischer Malayalam Saenger und der Soundtrack eines aktuellen Hindi-Films Saawariya.

Alles tolle Sachen, besonders der Soundtrack gefaellt mir sehr gut und eignet sich auch bestens fuer eine baldige “Back-in-Germany-India-Revival” Party bei uns im Garten oder so!

Soviel dazu,….heute abend geht’s dann wieder zu Daisy und Anu, da die beiden uns zum Kokusnussessen eingeladen haben…die muss ich dann zuvor noch mit Anu vom Baum holen, versteht sich!

Liebe Gruesse an alle…Bis bald!

Fotos

Posted by: flowmotion225 | February 22, 2008

Im Auftrag der Bildung…

…kaum gibt’s irgendwas mit Scissor Sisters, meldet sich der Christoph zu Wort! Silvester 2006 am Brandenburger Tor hat doch Spuren hinterlassen. =) Aber schoen, dass sich nun mal was im guestbook tut, freu mich doch immer was von euch zu hoeren.

Heute war ich mal wieder in Sachen Repraesentative unterwegs. Eingeladen auf Thomas’ - A.’s Cousin - Schulfest, waren A. und ich Ehrengaeste und wurden zusammen mit weiteren Ehrengaesten, einem Politiker und einem Schauspieler, auf die Buehne gebracht. Dort mussten wir dann auch eine Rede halten. Ich habe natuerlich ueber meine Reise. Erfahrungen, Bildungsauftrag, Bildungssysteme usw geschwafelt…100% improvisiert natuerlich! Meine Anwesenheit hat aufgrund der Hautfarbe im Gegensatz zu den anderen Gaesten wieder mal alle Schueler, Eltern etc. in pure Ekstase versetzt. Auffallend war heute, dass sich neben den Jugendlichen auch die Schuldirektoren und Priester fuer mich und meine Funktion interessierten. Alle fragten ob ich nicht auch in ihre Schule kommen koenne und dort die Lehrer (!) unterrichten und fortbilden! Klar, ich hab da natuerlich alle Kompetenzen zu. =) Jedenfalls habe ich mehrfach meine Email Adresse vergeben und bin mal gespannt, was sich da in den naechsten Tagen tut.

Ansonsten bin ich jetzt zu muede um noch mehr zu schreiben. mich und meine neue Frisur seht ihr uebrigens bisher leider nur auf dem Klassenfoto, das wir heute morgen mit allen Klssen gemacht haben…sehr spannende Sache uebrigens!

Fotos wie immer H.1.3.R

Posted by: flowmotion225 | February 22, 2008

The South Indian Scissor Sisters

Gestern nach der Schule hatte ich ein unvergessliches Erlebnis mit einem der zwei South Indian Scissor Sisters, das mich mit einem Laecheln im Gesicht an Bangor-Boy Steven erinnert hat! Er waere naemlich tausend Tode auf dem Stuhl des Friseurs in Puliyoor gestorben!

Haare ab, Bart ab…um meinen Kopf herum wirbelte es nur so - schnipp-schnapp - die Handmachine des Mannes stand keine Zehntelsekunde still und als ich die Brille wieder aufsetzte, sah ich aus wie ein weisser Inder! Vorne gerade abgeschnitten, hinten gerade abgeschnitten. Das Rasieren war dafuer aber vom Feinsten. Gleich mit im Preis enthalten war eine 5 minuetige Kopfmassage, die mir zeitweise das Gefuehl gab, dass Augen vorne rausgedrueckt und Ohren ins Innere des Kopfes reingedrueckt werden wuerden. Geile Sache!

Der Hammer an der G’schicht: Diese 45 Minuten Haareschneiden, Rasieren, Massage haben mich inklusive einem ordentlichen Trinkgeld 50 Rupees gekostet, umgerechnet etwa 95 Cent! Baunz!

Fotos vom Ausflug vom Wochenanfang und meinem aktuellen Erscheinungsbild gibt’s hoffentlich morgen zusammen mit den Fotos von der heutigen Schulfeier der Schule von Thomas!

Liebe Gruesse

Posted by: flowmotion225 | February 20, 2008

2 Tage, Hunderte neuer Eindruecke

—Achtung—

Heute wurde der Artikel etwas laenger, ist daher aber auch extrem lesenswert, da sehr viel passierte.Also, viel Spass!

—Achtung— 

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Am Montag verliessen Abraham und ich bereits nach dem Mittagessen die Schule um in die Hauptstadt Keralas –Trivandrum bzw. Thiruvanathapuram- aufzubrechen. Die Entscheidung zu einem groesseren Ausflug kam am Sonntag Abend sehr spontan als ein Landesweiterstreik in Kerala fuer Dienstag angekuendigt wurde: Grund fuer den Kerala Volksaufstand ist eine Preiszunahme des Benzins und Diesel, das etwa von 20 Cent pro Liter auf 23 Cent pro Liter angestiegen ist – Unverschaemtheit! Naja, jedenfalls fahren somit hier in Kerala am Dienstag keine Autos, zumindest sollen keine fahren, und die Geschaefte bleiben bis um 18:00 Uhr geschlossen. Da bei einem Streik hier also alles flachfaellt, faellt natuerlich auch die Schule aus! Und ohne Schule und ohne Geschaefte, ist ja fuer uns ja recht wenig zu holen, daher die Entscheidung „Wir fahren ueber Trivandrum nach Kanniyakumari, das im Nachbarstaat Tamil Nadu liegt, und machen einen netten Ausflug!“ 

Trivandrum

Keralas Hauptstadt erreichten wir wohlklimatisiert! Das klingt trivial, ist aber essentiell, da morgens noch die Klimaanlage des guten Tata-Mobils ausgefallen war und ohne A/C 5-6 Stunden in Indien reisen, nein danke! In Sachen Abkuehlung wuerde der Fahrtwind zwar vollkommen ausreichen, aber in den Staedten trieft die Luft so dermassen vor Abgasen und jedes Busueberholmanoever wird zur Lungenbestandsprobe. Nun gut, die A/C funktionierte wieder, das Fernlich nicht, wie sich spaeter rausstellen sollte.

Nach 2 Stunden kamen wir in Trivandrum an und fuhren gleich in einen netten Park mit exotischen Baeumen, Tieren und einem netten, indo-historischen Gebaeude seiner Mitte. Fragt nicht was es war, ich weiss es nicht! Wir sahen das Regierungsgebaeude, das Cricket- und Sportstadion, das British Museum, ein paar Kuehe, Ziegen, Moscheen, Kirchen, Kathedralen und Tempel. Der groesste und beeindruckendste Tempel Trivandrums ist inmitten der alten Stadtmauern. Hatte schon etwas orientalisches als wir durch das Stadttor auf die andere Seite der Stadtmauer fuhren. Ein kleiner See vor dem Tempel, viele Hindus, die sich und ihre Kleider darin waschen, Rickshaws, Menschen ohne Ende. Als Christ durfte ich leider nicht in den Temple rein, aber wir trafen uns schon bald sowieso mit A.’s Cousine und gingen ein wenig shoppen bevor wir uns weiter mit dem Tata in Richtung Sueden machten. 

Kovalam Beach

Kovalam ist eines der schoenen Touristenziele Keralas. Grund dafuer ist – logisch – der beach! Weisser Sand, Palmen ohne Ende, ein paar Fischerboote und eine Menge weisser bzw rotgefaerbter Gesichter. Die Sonne war langsam bereit unterzugehen und uns blieb nur noch Schuhe aus und ab ins Wasser. Nachdem wir dann ein wenig am Strand spazierten, setzten wir uns in den Sand und warteten auf den Sonnenuntergang, der schon bald und in voller Pracht kam. Ein Bild fuer die Goetter: Die Sonne versinkt im Arabischen Meer, dieses Bild akustisch begleitet vom Laerm der riesigen Wellen, die sich kurz vor dem Ufer brachen. Kovalam Beach, wenn auch ein wenig touristisch, aber jederzeit wieder. Bald machten wir uns dann erneut wieder auf den Weg in Richtung Suedspitze. Doch die Fahrt gestaltete sich abermals als Mutprobe und ich weiss nun wirklich was es bedeutet Angst zu haben! Wie bereits bei der Fahrt zurueck vom Schulfest in Kalayapuram, bot sich mir das erschreckende Bild eines halbblinden, fahrkuenstlerisch grobmotorischen Inder auf den Strassen seines heiligen Landes, dem zudem gestern auch noch das Fernlicht entsagte. Das ist in zweierlei Hinsicht ein Problem: Erstens ist das normale Abblendlicht eines Tata so ausgelegt, dass es selbst heilige Kaelber bei Standgroesse 1.20m nicht blenden kann und man daher nur die unmittelbar bevorliegenden Schlagloecher bei max. 30km/h rechtzeitig erkennt. Zweitens gehoert es zu den inoffiziellen Indischen Verkehrsregeln, dass man in Notsituationen – z.B. bei zweifach entgegenkommendem Verkehr – vor der Bremse erst noch Hupe und Fernlicht betaetigt. Hupe funktionierte einwandfrei, nur das staendige Ausbleiben des Fernlichtsignals verunsicherte meinen Fahrer und Mentor dermassen, dass seine grundlegende Grobmotorischkeit nur eine weitere Reaktion in der Notsituation, die ungefaehr minuetlich vorkommt, zuliess: Statt Fernlicht einfach Licht ganz ausschalten! Dies hatte zur Folge, dass bei starkem Verkehr auf dem National Highway 47 sekundenlang aufgrund des entgegenkommenden Fernlichts weder wir den Gegenverkehr, noch der Gegenverkehr uns sehen konnte, da wir komplett ohne Licht im Dunkeln fuhren. Mathematiker unter meinen Lesern duerfen gerne ausrechnen, wie oft waehrend der 300km langen Fahrt, Fahrzeit ca. 5 Stunden, mein Leben im Zeitraffer an mir vorbei zog, wenn bei Dunkelheit minuetlich eine Gefahrensituation auftritt, wir aber nur 2/3 der Fahrt im Dunkeln verbracht haben.Regelrecht erleichtert war ich, als irgendwo kurz vor der Landesgrenze ein Stau auftrat und nichts mehr ging, zumindest fuer kurze Zeit. 

Padmanabhapuram, Tamil Nadu

Der Bundesstaat Tamil Nadu erstreckt sich uebrigens von Chennai, Madras an der Ostkueste Indiens bis zur Suedspitze, zu der wir unterwegs waren. Der Aufenthalt eines Keralanesen in Tamil Nadu ist nicht ganz mit dem eines Rheinland-Pfaelzer in Baden-Wuerttemberg zu vergleichen, da man in Kerala Malayalam und in Tamil Nadu Tamil spricht. Auch wenn ich gerade von manch einem ba-wue Dialekt gerne behaupten wuerde, es komme einem vor wie eine Fremdsprache,…es ist nicht das selbe! Irgendwann nach schlafloser Fahrt durch die Nacht kamen wir dann gegen 11 Uhr am Haus von A.’s Freund an. Dieser ist so etwas wie ein Moerder-Mega-Marmor-Mogul mit mehreren Marmorfirmen und seine Huette, gebettet unter Palmen, umringt von einem Zen-konstruierten Fluesschen mit Wasserfall haucht so manch einem orientalischen Traum Leben ein. Das Haus, natuerlich voll mit Marmor, war gebaut im Arabischen Stil, eine grosse Eingangshalle, ringsherum ein Balkon, grosse Holztueren, der Rest war einfach nur Marmor und…Gold! Soviel zu meiner Unterkunft der letzten Nacht, zumindest dachte ich ich wuerde die komplette Nacht in meinem Gaestezimmer, mit Marmorbadezimmer und Blick auf einen See mit Palmenhain verbringen. Doch nach einem Rundgang, einem Tee, diversen Fruechten, die es hier im garten gibt und die ich noch nie zuvor sah, packten wir ein paar Matten ins Auto, die Frau brachte essen und wir fuhren mit seinem Landrover (inkl. DVD Player, Bildschirmen in den Sitzen, aber kein Marmor) etwa 20km an einen absolut abgelegenen, untouristischen Strandabschnitt mit riesigen Wellen. Mittlerweile war es Mitternacht und wir sassen da im Mondlicht auf weissem Sand am Indischen Ozean und haben Chapati, Gemuese, Reis und Bananen vom feinsten gefuttert. Nach dem Essen, erstrecht um diese Uhrzeit, wird man bekanntlich muede, was in unserem Fall bedeutete, dass wir erstmal schoen 4 Stunden im Sand geratzt haben. Sternenklarer Himmel, laute Brandung, warmer Sand, ein Marmormogul, ein Priester und ein Student, der gerade wohl gar nciht weiss, was er geiles erlebt.Zurueck im Palast durfte ich dann auch endlich (wobei das Sandbett auch nicht zu verachten war) in mein Orientbett und schlafen bis mir morgens um 9 von der Tochter des Hauses Tee ans Bett gebracht wurde. Sie ist schnuckelige 5 Jahre alt und haette keinen besseren Namen verdient: Princy! Es folgte ein ungewoehnlich aber sehr leckeres Fruehstueck. Ungewoehnlich wohl auch nur fuer den Europaer und der Kombination wegen.Reiskuchen (warm), dazu Erbseneintopf, Papadam (das etwas suesse,fluffige Brot), dann eine Banane „reinmatschen“ und dann Zucker drueber. Klingt etwas komisch, schmeckt aber in der Zusammenstellung ausgezeichnet! 

Kanniyakumari

Nach dem Fruehstueck gings dann endlich los an den 15 km entfernten Suedzipfel. Vorher fuhren wir die Toechter zur Schule, Princy kam mit uns. Daddy wollte eigentlich zuerst nicht mitkommen, da die Geschaefte nicht ruhen koennen, entschied sich dann aber doch dazu uns Gesellschaft zu leisten. Er nahm sein Handy, sein Notizbuch, setzte sich auf den Beifahrersitz und erledigte seine Geschaefte von dort aus, waehren sein Chauffeur und kutschierte. Die Landschaft in diesem Teil Indiens ist  anders als in Kerala. Es gibt mehrere freie Landflaeschen und vor allem Berge, dazu ein paar Seen,…einfach schoen. Auf dem Weg statteten wir noch einen Besuch bei einer Baustelle ab, in der momentan Marmor verlegt wird, was sonst?! Aber es war interessant, besonders fuer mich, denn es handelte sich um ein Kinderkrankenhaus, das naechsten Monat Einweihung feiert und komplett von einer Deutschen ins Leben gerufen und finanziert wurde. Als Deutscher wurde ich da natuerlich auch recht herzlich empfangen. Es ist ein sehr schoenes Gebaeude mit See und einem Berg dahinter, traumhaft und auch die Ausstattung ist vom feinsten. Ein sehr schoenes Projekt. Auf dem Weg von dort nach Kanniyakumari fuhren wir dann eine Abkuerzung entlang eines Flusses. Hier sah ich dann das, was viele von Indien kennen, aber es ist immer etwas anderes wenn man es selbst sieht. Frauen, die sich und ihre Waesche im dreckigen Flus waschen, Kuehe, Esel, Elefanten, Huetten aus Stroh, die man sonst aus Museen oder dem Fernsehen kennt. Hier leben die Leute tatsaechlich ein Leben lang darin, ohne Strom , ohne Trinkwasser. Frauen transportieren schwere Kannen mit  Wasser auf ihrem Kopf, Kinder spielen nackt im Dreck. Armut, aber Zufriedenheit. Als wir endlich am suedlichsten Punkt des Kontinents angekommen waren, setzten wir uns gleich auf ein Boot, das auf eine der zwei vorgelagerten Inseln mit den Wahrzeichen und Museen fuhr, selbstverstaendlich entfiel fuer uns das laestige Anstehen und Bezahlen, da Mr. Marmor da wohl jemanden kannte. Auf der Insel war dann leider ein wenig Massentourismus angesagt und Verantwortliche manoevrierten Touris mit Trillerpfeifen vom Boot und andere wieder aufs Boot. Auch das „Museum“ an sich hatte nicht allzu viel zu bieten, nur die Aussicht auf denn Indischen Ozean, den Golf von Bengalen und das Arabische Meer war traumhaft, vor allem, da man die unterschiedlichen Farben der Meere zusammenfliessen sah.Bevor wir dann zum Mittagessen gingen, machten wir kurz halt in einer traumhaften Parkanlage, die der Oeffentlichkeit eigentlich verschlossen blieb, die Gaerten des Southern Office of the Bank of India. Hier hatte jemand wieder schnell ein paar Geschaefte zu erledigen. Alles geregelt, ging es dann in ein schniekes hotel, wo wir von unserem Gastgeber eingeladen wurden. (Meine finanziellen Ausgaben seit meiner Ankunft in Trivandrum beschraenken sich auch ca. 100 Rupees fuer Wasser und 500 Rupees fuer den Zug nach Mumbai, so macht Urlaub Spass). 

Nagercoil

Auf dem Rueckweg machten wir erneut einen Abstecher vom Highway und ich verstand erst gar nciht warum und wohin wir fuhren, aber als ich dann im ersten Dorf nach dem Highway, direkt am Meer, die Haeuser und Huetten sah, war klar wo wir waren und was hier passierte. Menschen sassen vor den Haeusern in der heissen Sonne, andere arbeiteten fleissig und transportierten Steine, bauten Haeuser und versuchten zusammen mit der hilfe vieler Haende das wieder aufzubauen, was ihnen vor wenigen Jahren zerstoert wurde. Ich war mitten im Gebiet, das der Tsunami 2004 komplett verwuestet hatte. Je weiter wir fuhren, desto mehr Geroell, Bauschutt lag am Strassenrand, ueberall sah man Grundmauern von Haeusern, alles was daruber war war abgerissen. Mehr als 1000 Menschen hat der Tsunami in Tamil Nadu das Leben gekostet und weit mehr haben ihr zu Hause verloren. Heute, bei strahlend blauem Himmel, Palmen und Sonnenschein praesentiert sich die Region oberflaechlich als Paradies, aber der Schein truegt und das Leben der Menschen hier direkt am Meer ist nicht annaehernd so schoen wie es sein koennte. Hunde streunen durch die Gassen, Haeuser ohne Dach, Mauern ohne Haus, das Bild, das sich mir bietet ist sehr frustrierend, aber zugleich zeigt es auch die Natur der Menschen, denn ueberall wird gebaut, man baut sich wieder ein zu Hause, genau da wo es einem durch den Tsunami genommen wurde. 

Heimfahrt

Die Heimfahrt nach Sasthamkotta konnte zum Glueck bei Tageslicht stattfinden, doch auch hier sollte nicht alles absolut reibungslos verlaufen. Denn wie erwaehnt war heute in Kerala ein Streik angesetzt gegen zu hohe Benzinpreise. So sollten heute keine Fahrzeuge auf Keralas Strassen rollen und vor 18:00 Uhr keine Geschaefte geoeffnet sein. Da wir aber nach Hause mussten, brachen wir, wie viele andere auch, diese Aufforderung zum Streik. In vielen Staedten die wir passierten sah man Demonstrationszuege durch die Strassen an uns vorbei ziehen, doch in einer Stadt kurz vor Trivandrum entkamen wir in den engen Gassen der Demo nicht. Wir fuhren links ran, Motor aus und warteten bis der Zug von indischen Maennern an uns vorbei war um dann weiter zu fahren. Als die Demonstranten aber uns und die Leute in den Autos vor und hitner uns am Steuer sitzne sahen und daraus schlossen, dass wir sie wohl nicht in ihrem Streiken unterstuetzten, fingen sie schnell an emotional auf unser Auto einzupruegeln, schlugen im vorbeigehen gegen Fensterscheiben, Polizisten mit Schlagstoecken schritten ein, Bilder wie man sie aus Pakistan etc. kennt. Liebe Mathematiker, fuegt diesen Moment der Angst bitte auch noch zu eurer Kalkulation hinzu. Alles in allem war es ein schoener Ausflug in den Sueden, voll von schoenen, interessanten, traurigen, beaengstigenden Eindruecken. Fotos gibt’s bald 

Posted by: flowmotion225 | February 18, 2008

Nandi!

“Nandi” heisst “Danke” in Malayalam und gilt heute all den treuen Bloglesern wie Andi S., die sich auch nicht schaemen dazu zu stehen und ihren Senf regelmaessig im Guestbook abgebeben! Ihr seid es, die mich antreiben weiter zu schreiben, auch in harten Zeiten, in denen ich das Gefuehl habe fuer mich und niemanden sonst zu schreiben!

Nandi! ;-) Macht weiter so!  

Posted by: flowmotion225 | February 15, 2008

6 Uhr morgens, irgendwo in Suedindien

6 Uhr morgens, irgendwo in Suedindien. KLICK, KLICK, KLICK,……KLICK…..Stille. Das Licht im Zimmer des Direktors erlicht. Eine Tuer schliesst leise. Der augenlose Gigant am Ufer des Sees, schwarz wie der fruehe Tag. 6 Uhr morgens, irgendwo in Suedindien.

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Anmeldung fuer’s Praxissemester erfolgreich abgeschlossen — Warten auf Antwort — KLICK 

Posted by: flowmotion225 | February 15, 2008

Fuenf Uhr morgens, irgendwo in Suedindien

Fuenf Uhr morgens, irgendwo in Suedindien. Der See schlummert ruhig vor sich hin. Alles ist still. Die Schule am Ufer des Sees steht regungslos da wie ein schwarzer, augenloser Gigant, doch in einem Zimmer brennt noch Licht. Das Buero des Direktors ist hell erleuchtet und von innen klingt ein monotones, seltsames Geraeusch nach draussen: KLICK, KLICK, KLICK….fuenf Uhr morgens, irgendwo in Suedindien.

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