Posted by: flowmotion225 | March 3, 2008

Jesus was Indian….and he’s got the groove, baby!

Wer dachte, dass die Power-Pop Prayers letzte Woche beim Hausgebet der Hoehepunkt meiner spirituellen Reise durch Kerala waren, der hat sich getaeuscht. Gestern abend legte ein weiteres Hausgebet happening noch einen oben drauf! Das Arrangement war ein aehnliches: Plastikstuehle, ein Jesu (gesprochen ‘Jeschu’) Gemaelde in Uebergroesse im Hintergrund, mehrere Priester, Nonnen, Glaeubige. Frauen in Sarees, Maenner, mit noch verhalten wippendem Oberlippenbart, in ihren ‘Muns’ (Wickelroecke). Dann betrat ein indischer Riese, ca. 1.80m gross, die Buehne. Unter seinem Arm ein Yamaha Keyboard, das Schlachtschiff unter den Synthi-Kampfmaschinen. Ihm folgte in kurzem Abstand……Jesu himself. Langes schwarzes Haar, Vollbart, ein gueldenes Gewand…braune Haut! Jeschu ist ein Inder! Und nicht nur das…er hat auch noch ein verzueckendes Stimmchen, was sich wenige Minuten spaeter rausstellte.

Die Anlage kurz justiert, die Yamaha eingestoepselt, alle Regler auf max, Soundcheck, mal kurz die Rueckkopplungen getestet und los ging die Celebratierung. Zu Beginn weniger dancig als der Popbarde letzte Woche, mehr mit Gefuehl und wummernder Lautstaerke, schmetterte unser Indian Jeschu die Kirchensongs in das noch nicht ganz vollzaehlige Publikum. Sein Haar wehte im Wind des Ventilators, sein Unterkiefer vibrierte voll Ausdruck und erzeugte die Tonverschmierungen, die man sonst meist nur vom Muezzin in der Moschee um die Ecke kennt.

Nach dem ersten Einstimmen der Gemeinde, zeigte der Saenger Gottes was er wirklich drauf hatte und motivierte sein Publikum zum Aufstehen und Mitklatschen. Mir bot sich ein vertrautes Bild: Frauen, klatschend in ihren Sarees und Maenner mit ihren Oberlippenbaerten…ihr wisst schon.

Ohne Verzoegerung verzerrtes sich mein Gesicht erneut zu einem krampfhaft unterdrueckten Laecheln. Als er dann auch noch die Glaeubigen aufforderte die Arme nach oben zu nehmen und im Takt hin und her zu wippen, fuehlte ich mich endgueltig wie in einem Film ueber indische Spiritualistik?…Spiritualismus? Spiritual Tourismus! und Jeschu war der Animateur im Jumeirah Beach Club von Kerala.

Nach anschliessenden Gebeten und Predigten zerstoerte leider ein fieses Gewitter die Partystimmung und auch wenn zuerst noch 5 Minuten bei stroemenden Regen weiter gebetet und gepredigt wurde - Spiritual Toursimus kennt kein schlechtes Wetter - so wurden die Party-Prayers schliesslich doch abgebrochen und die Entertainer, Priester und ich verzogen uns zum Festmahl ins Haus.

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Letzten Freitag war auch uebrigens der Annual Day der Brook International School! Ein riesen Happening, wenn auch ohne Jeschusingers. Etwa 1000 Gaeste waren dort, darunter der Chief Guest A. Shajahan, District Collector of Kollam, der MLA President und der PTA President,…und ich natuerlich. Auf der riesen Buehne durften die Ehrengaeste dann Platz nehmen und nach und nach ihre Reden halten. Auch ich gab meinen hochwertigen Beitrag zur Bildungssituation in Deutschland im Vergleich zu Indien zum Besten und war fuer das Publikum offensichtlich weitaus interessanter als die eigentlichen ehrvolleren Ehrengaeste.

Nach dem offiziellen Teil folgte das Programm der Schueler: Traditionelle Taenze in unglaublisch genialen Kostuemen, performed von Schuelern aus den Klassen 1 bis 8. Dazu auch moderne Tanzeinlagen zu aktuellen Tophits wie Jungleboy von Aqua oder Shalalalala von den Vengaboys und Theatereinlagen. Unter den Theatereinlagen befand sich gegen Ende des Programms auch ein Auszug aus Shakespeares Twelfth Night, das ich mit den Schuelern der 8. Klasse geprobt hatte. Es war ein grosser Erfolg und das bis dahin eher paralysierte Publikum tobte, verhaeltnismaessig.

Eltern von Schuelern kamen zu mir, sprachen mich an, andere Gaeste, Lehrer, Priester. Und die Schueler waren sehr traurig, dass es mein letzter Tag an der BIS sein sollte.

Abgesehen von den Irrfahrten auf dem Nachhauseweg - mitten in der Nacht, verfahren auf Feldwegen im Dschungel - war es eine rundum erfolgreiche Veranstaltung.

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Nach kurzer nacht ging es dann morgens um halb 6 schon wieder weiter: Zusammen mit Anu und Daisy fuhren wir in den Periyar National Park nach Thekkady um Elefanten, Voegel, Sambahirsche und, im Optimalfall, Leoparden und Tiger in freier Wildbahn zu sehen.

Leider waren wir etwas spaet dran fuer die erste Bootsfahrt ueber den See, da sich Daisy ca. alle 10 Minuten uebergeben musste,…so ne Art Autofahrseekrankheit. Als wir dann schliesslich um 11:00 Uhr auf dem Boot sassen, nur Anu und ich, war die Zeit der Tiere am Wasser leider schon vorueber und wir sahen weder Tiger noch Elefanten noch sonst etwas annähernd exotisches, hatten aber eine schoene Bootsfahrt. Ein paar exotische Voegel und drei Samahirsche konnten wir am Rand des Urwalds erspaehen. Das sollte aber auch alles bleiben. Zumindest hatten wir eine Menge Geld gespart, da Inder nur 40 Rupees und Auslaender 150 Rs zahlen, wir aber 4 Tickets fuer Inder gekauft hatten. Dazu sparten wir uns dreisterweise noch die 500 Rs fuer eine Kamera, die ich geschickterweise, wenn auch ahnungslos, in meiner Hose versteckt hatte. Dafuer sassen wir aber auch auf dem Inderboot und nicht auf dem Touriboot, was aber bedeutend lustiger war, da Anu das einzige Maedel und ich der einzeige Weisse auf dem Boot waren. Eine Gruppe von indischen Studenten machte sich einen Spass daraus, Fotos mit uns zu machen und die ganze Zeit Fragen zu stellten. So hatten wir trotz der Abwesenheit der Tiere eine Menge Unterhaltung.

Anschliessend kamen wir dann zurueck zu Abraham und Daisy, der es zum Glueck wieder besser ging. Eine Frau sprach uns an ob wir Lust auf einen Elefantenritt haetten und - natuerlich - hatten wir!

Ein paar Kilometer weiter wartete dann ein grosser, grauer Dickhaeuter auf uns. Bevor wir aber einstimmten den Ausritt zu machen, erkundigte ich mich ueber den Umgang mit dem Tier und liess mir die Unterkunft zeigen, da ich weiss, dass einige Touri-Elefantenbetreiber die Tiere grausam behandeln. Hier schien aber alles in Ordnung, genuegend Futter und auch sonst. Also, schnappten Anu und ich uns ein paar Bananen und fuetterten das Riesenvieh und, hastdunichtgesehen, kam um die Ecke auch noch ein kleiner Babyelefant.

Als wir dann zu viert auf dem grossen Dumbo sassen, ging die Reise los. Mitten durch einen Spice Garden, durch enge Passagen zwischen Kokospalmen, Banenenstauden und Kardamonpflanzen (Thekkady liegt in den Cardamon Hills) manoevrierte sich das Tier behende. Pfeffer, Kuemmel und noch mehr Kardamon machten den Ritt durch den dichten Urwald auch noch zu einem Erlebnis fuer die Nasen. Die - und vor allem meine Nase, da ich ganz hinten auf dem Elefanten sass - wurden dann auf eine weitere Bestandsprobe gestellt, als Dumbo seinen Gefuehlen freien Lauf liess und vom feinsten furzte und einen Haufen von geschaetzten 50kg auf dem Weg hinterliess. Mit einem mal war jeglicher Kardamongeruch vergangen. Exkrement, Gewürz - eins zu null.

Nach einer haben Stunde auf dem Elefanten machten wir uns auf den Weg zu einem Hotel, hatten ein vorzuegliches Mittagessen und fuhren wieder in Richtung Chengannur. Auf dem Weg stoppten wir noch an einer Pilgerkirche und machten einen kleinen Spaziergang durch die vielen Teeplantagen in den Bergen. Hier gibt es so viel Tee, man koennte wohl die komplette Welt mit Indiens Tee versorgen, zumal hier in Kerala nur ein kleiner Teil des gesamtindischen Anbaus ist, der Grossteil ist im Norden in Darjeeling und Assam. Jedenfalls war es landschaftlich sehr schoen und der Ausflug war mit Daisy und Anu auch wieder sehr unterhaltsam.

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Morgen, Dienstag, ist dann mein letzter Tag hier in Kerala und am Mittwoch geht es auf nach Mumbai, wo ich 4-5 Tage in einem Kloster bei Father Jacob unterkommen werde. Mein naechster Artikel wird dann also nach zweitaegiger Zugfahrt aus der Bollywood Stadt mit der groessten Filmindustrie der Welt kommen, nach einer langen Bombay Boogie Night, oder so!

Viele Gruesse an alle!

Flo

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